Scham und Ekel in der Pflege: Ein Balanceakt zwischen Mitgefühl und Menschlichkeit

Veröffentlicht am 28. März 2025 um 20:31

Pflegekräfte stehen tagtäglich vor Herausforderungen, die sie nicht nur körperlich fordern, sondern auch emotional und psychisch an ihre Grenzen bringen können. Sie arbeiten in einem Beruf, der von Menschlichkeit, Empathie und einem tiefen Wunsch, anderen zu helfen, geprägt ist. Gleichzeitig sind sie jedoch regelmäßig mit Situationen konfrontiert, die sie auch persönlich herausfordern – sei es der Verlust von Intimsphäre bei Patienten, schwierige hygienische Bedingungen oder die Konfrontation mit Scham und Ekel. Diese Gefühle, so unangenehm sie auch sein mögen, sind ein natürlicher Teil des Pflegeberufs und eng mit der Arbeit am Menschen verbunden.

Scham und Ekel gehören zu den Tabuthemen in der Pflege – sowohl auf Seiten der Pflegebedürftigen als auch auf Seiten der Pflegenden. Ein Patient, der sich für seinen Zustand oder den Verlust seiner Selbstständigkeit schämt, ist ebenso häufig wie eine Pflegekraft, die in herausfordernden Situationen mit einer inneren Abwehrhaltung zu kämpfen hat. Beides ist völlig normal und menschlich. Entscheidend ist jedoch, wie man mit diesen Gefühlen umgeht, um eine professionelle und gleichzeitig würdevolle Versorgung sicherzustellen – und dabei selbst gesund und belastbar zu bleiben.

In diesem Artikel beleuchten wir diese Themen ausführlich: Was bedeutet Scham in der Pflege, und wie können wir Patienten dabei helfen, ihre Würde zu wahren? Wie gehen Pflegekräfte mit eigenen Gefühlen wie Ekel oder Überforderung um? Und vor allem: Welche Strategien gibt es, um die Balance zwischen Mitgefühl, Professionalität und dem Schutz der eigenen psychischen Gesundheit zu finden? Wir betrachten nicht nur die praktischen Aspekte, sondern werfen auch einen Blick auf die psychologische Seite dieses sensiblen Themas, um Lösungen und Ansätze für den Pflegealltag aufzuzeigen.

Scham in der Pflege: Ein sensibles Thema

 

Scham ist ein universelles Gefühl, das in unterschiedlichsten Lebenssituationen auftreten kann – und in der Pflege spielt es eine besonders prägnante Rolle. Es entsteht in Momenten, in denen die eigene Würde bedroht oder persönliche Grenzen überschritten werden. In der Pflege sind dies häufig Situationen, in denen Intimität unvermeidlich ist: bei der Körperpflege, beim Toilettengang oder bei medizinischen Untersuchungen.

Doch Scham betrifft nicht nur die Pflegebedürftigen. Auch Pflegekräfte selbst können Scham empfinden, wenn sie sich unwohl fühlen, in intime Bereiche einer anderen Person eindringen zu müssen, oder wenn sie unsicher sind, wie sie eine solche Situation professionell bewältigen sollen. Dies macht Scham zu einem vielschichtigen Thema, das es verdient, sensibel und tiefgehend betrachtet zu werden.

 

Definition und Ursachen von Scham in der Pflege

Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit, Bloßstellung oder Unsicherheit, das auftritt, wenn jemand sich in einer verletzlichen Position befindet – sei es körperlich oder emotional. Es entsteht häufig dann, wenn soziale oder persönliche Normen verletzt werden oder wenn jemand glaubt, die Kontrolle über eine Situation zu verlieren.

 

👉 Scham bei Pflegebedürftigen

Pflegebedürftige befinden sich oft in einer extrem verletzlichen Position. Sie sind darauf angewiesen, dass ihnen in Bereichen geholfen wird, die für die meisten Menschen zutiefst privat sind. Dazu gehören der Toilettengang, die Körperpflege, das Anziehen oder auch medizinische Maßnahmen, die den Intimbereich betreffen. Dieser Verlust der Selbstständigkeit kann Gefühle von Scham und Erniedrigung auslösen, besonders wenn die Pflegebedürftigen sich noch daran erinnern, wie sie früher solche Tätigkeiten selbstständig und ohne Hilfe bewältigt haben.

 

ℹ️ Häufige Ursachen für Scham bei Pflegebedürftigen:

 

  • Verlust der Intimsphäre: Der Körper wird sichtbar und greifbar für andere Personen, oft ohne Möglichkeit, dies zu verhindern.
  • Hilflosigkeit: Die Abhängigkeit von einer fremden Person kann Gefühle von Unzulänglichkeit oder Wertlosigkeit verstärken.
  • Angst vor Bewertung: Viele Menschen befürchten, dass sie von Pflegekräften für ihren körperlichen Zustand oder ihre Situation verurteilt werden könnten.
  • Unangemessene Kommentare oder unprofessionelles Verhalten: Auch vermeintlich harmlose Bemerkungen können das Gefühl von Scham verstärken.

 

👉 Scham bei Pflegekräften

Pflegekräfte sind ebenfalls nicht frei von Schamgefühlen. Obwohl sie oft gelernt haben, professionell mit schwierigen Situationen umzugehen, können bestimmte Tätigkeiten oder Interaktionen auch bei ihnen Unsicherheit oder Unbehagen auslösen. Besonders Berufsanfänger oder Menschen, die noch wenig Erfahrung im Umgang mit sehr intimen Pflegesituationen haben, können sich überfordert fühlen.

 

ℹ️ Häufige Ursachen für Scham bei Pflegekräften:

 

  • Intime Handlungen: Das Waschen oder Berühren des Intimbereichs kann zunächst als unangenehm empfunden werden.
  • Unangemessenes Verhalten von Pflegebedürftigen: Verbale oder nonverbale Übergriffe seitens der Pflegebedürftigen können Scham oder Unbehagen auslösen.
  • Unsicherheiten: Die Angst, etwas falsch zu machen oder unprofessionell zu wirken, kann Scham hervorrufen.
  • Eingriffe in die persönliche Komfortzone: Manche Pflegekräfte empfinden es als schwierig, zwischen Nähe und professioneller Distanz zu balancieren.

 

Psychologische Auswirkungen von Scham

 

👉 Bei Pflegebedürftigen

Scham hat oft tiefgreifende psychologische Auswirkungen auf Pflegebedürftige. Wenn sie sich in ihrer Würde verletzt fühlen, kann dies ihr Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen. Schamgefühle führen nicht selten zu einem Rückzug – sowohl emotional als auch sozial. Dies kann bedeuten, dass Pflegebedürftige notwendige Hilfe verweigern, weil sie die Scham nicht ertragen können, sich „ausgeliefert“ zu fühlen.

 

ℹ️ Folgen für die Pflegebedürftigen:

 

  • Rückzug: Betroffene vermeiden den Kontakt mit Pflegekräften oder lehnen Hilfsangebote ab.
  • Gemindertes Selbstwertgefühl: Das Gefühl, wertlos oder schwach zu sein, kann die Lebensqualität erheblich mindern.
  • Verweigerung von Pflege: Aus Scham heraus könnten Betroffene sich weigern, notwendige Maßnahmen (wie Körperpflege oder Wundversorgung) durchführen zu lassen, was gesundheitliche Konsequenzen haben kann.

 

👉 Bei Pflegekräften

Auch bei Pflegekräften kann Scham weitreichende Folgen haben, insbesondere wenn sie nicht reflektiert oder angesprochen wird. Schamgefühle, die unterdrückt werden, können zu einem erhöhten Stresslevel führen und langfristig die psychische Gesundheit beeinträchtigen.

 

ℹ️ Folgen für Pflegekräfte:

 

  • Emotionale Erschöpfung: Die ständige Konfrontation mit belastenden Gefühlen wie Scham kann zu Burnout führen.
  • Verlust der professionellen Distanz: Wenn Pflegekräfte sich in einer Situation überfordert fühlen, kann dies zu Unsicherheiten und fehlerhaftem Verhalten führen.
  • Gestörte Beziehung zu Pflegebedürftigen: Schamgefühle können die Fähigkeit beeinträchtigen, mit den Pflegebedürftigen empathisch und respektvoll umzugehen.

 

Strategien zum Umgang mit Scham

Ein sensibler Umgang mit Scham ist entscheidend, um Pflegebedürftige und Pflegekräfte gleichermaßen zu entlasten. Hier sind bewährte Strategien:

 

👉 Wahrung der Intimsphäre

  • Praktische Maßnahmen: Sichtschutz verwenden, den Patienten so weit wie möglich zudecken und Türen oder Vorhänge schließen. Kleine Gesten wie diese können Großes bewirken und das Gefühl von Würde und Kontrolle wiederherstellen.
  • Kommunikation: Immer ankündigen, was Sie als Nächstes tun werden („Ich helfe Ihnen jetzt beim Waschen Ihres Rückens, ist das in Ordnung?“). So fühlt sich der Pflegebedürftige weniger ausgeliefert.

 

👉 Offene und einfühlsame Kommunikation

  • Normalisieren von Schamgefühlen: Pflegekräfte können sagen: „Das ist eine ganz normale Situation, Sie brauchen sich nicht zu schämen.“ Solche Worte können die Situation entschärfen.
  • Aktives Zuhören: Fragen wie „Wie fühlen Sie sich damit?“ signalisieren, dass die Gefühle des Pflegebedürftigen ernst genommen werden.

 

👉 Reflexion und Schulung für Pflegekräfte

  • Selbstreflexion: Pflegekräfte sollten sich bewusst mit ihren eigenen Schamgefühlen auseinandersetzen. Was löst bei Ihnen Scham aus, und wie können Sie besser damit umgehen?
  • Fortbildungen: Schulungen zu Themen wie „Intimsphäre wahren“, „Professioneller Umgang mit Scham“ oder „Kommunikation in sensiblen Situationen“ können helfen, Unsicherheiten abzubauen.
  • Kollegiale Unterstützung: Ein offener Austausch im Team hilft, belastende Situationen zu reflektieren und gemeinsam Lösungen zu finden.

 

👉 Förderung von Selbstständigkeit

Pflegebedürftige sollten, wo immer möglich, in ihrer Selbstständigkeit unterstützt werden. Schon kleine Dinge wie das eigenständige Waschen eines Körperbereichs können das Schamgefühl reduzieren und die Würde des Pflegebedürftigen wahren.

 

Fazit

Scham ist ein normaler Bestandteil der Pflege, sowohl für Pflegebedürftige als auch für Pflegekräfte. Es ist jedoch entscheidend, diesen Gefühlen mit Sensibilität, Professionalität und geeigneten Strategien zu begegnen. Durch die Wahrung der Intimsphäre, offene Kommunikation und die Förderung von Selbstständigkeit können Schamgefühle minimiert und eine respektvolle Pflege sichergestellt werden. Pflegekräfte wiederum profitieren von einer reflektierten Auseinandersetzung mit ihren eigenen Schamgefühlen und von einem unterstützenden Arbeitsumfeld. Letztlich geht es darum, Menschlichkeit und Würde in den Mittelpunkt zu stellen – für alle Beteiligten.

Ekel in der Pflege: Ein unausweichliches Gefühl

Ekel gehört zu den grundlegenden Emotionen des Menschen und dient in erster Linie als Schutzmechanismus. Er bewahrt uns davor, mit potenziell schädlichen Substanzen oder Gefahren in Kontakt zu kommen. In der Pflege jedoch, wo die Betreuung von Menschen oft mit körperlicher Nähe, Hygienemaßnahmen und medizinischen Eingriffen verbunden ist, wird Ekel zu einer unvermeidbaren, aber auch belastenden Herausforderung. Die Pflegekräfte müssen mit Situationen umgehen, die weit über die persönlichen Ekelgrenzen hinausgehen können – von der Versorgung von Wunden über die Entleerung von Blasenkathetern bis hin zu der Reinigung nach Inkontinenzvorfällen.

Doch wie entsteht Ekel? Wie wirkt er sich auf Pflegekräfte und die Pflegequalität aus? Und vor allem: Welche Strategien helfen, mit diesem Gefühl umzugehen, ohne die Professionalität und die Menschlichkeit zu verlieren?

 

Definition und Ursachen von Ekel in der Pflege

Ekel ist eine stark abwehrende emotionale Reaktion auf Reize, die als unangenehm, schädlich oder bedrohlich wahrgenommen werden. Er zeigt sich oft körperlich durch ein verzogenes Gesicht, Würgereiz oder ein allgemeines Gefühl von Abscheu. Evolutionär betrachtet dient Ekel dazu, uns vor Gefahren wie Krankheitserregern oder verdorbenem Essen zu schützen.

In der Pflege ist der Kontakt mit ekelerregenden Reizen jedoch oft unvermeidlich. Zu den häufigsten Ursachen von Ekel gehören:

 

  • Körperausscheidungen: Der Umgang mit Urin, Stuhl, Erbrochenem oder Blut gehört zum Pflegealltag und kann starkes Unbehagen auslösen.
  • Wundversorgung: Besonders bei chronischen oder infizierten Wunden, die unangenehme Gerüche verströmen oder unansehnlich sind, treten Ekelgefühle auf.
  • Gerüche: Körpergerüche, die durch mangelnde Hygiene oder bestimmte Erkrankungen verstärkt werden, sind ein häufiger Auslöser.
  • Insektenbefall oder Parasiten: In seltenen Fällen kann es in der Pflege auch zu Situationen kommen, in denen Ekelfaktoren wie Maden in Wunden auftreten.

 

Wichtig ist, dass die individuelle Wahrnehmung von Ekel subjektiv ist und stark von kulturellen, persönlichen und sozialen Prägungen beeinflusst wird. Was die eine Pflegekraft problemlos bewältigt, kann bei einer anderen starke Abwehrreaktionen hervorrufen.

 

Psychologische Auswirkungen von Ekel

Ekel ist nicht nur eine unangenehme Momentaufnahme, sondern kann langfristige psychologische Auswirkungen haben, wenn er nicht reflektiert oder angemessen bewältigt wird. Besonders in einem Beruf wie der Pflege, der häufig mit belastenden Situationen einhergeht, kann Ekel, der ignoriert oder unterdrückt wird, ernste Folgen haben.

 

👉Auswirkungen auf Pflegekräfte

 

  • Emotionaler Stress: Der wiederholte Kontakt mit ekelerregenden Situationen kann zu einer chronischen Überforderung führen. Pflegekräfte empfinden eine innere Abwehr, die ihre emotionale Belastbarkeit beeinträchtigen kann.
  • Burnout-Risiko: Wenn Pflegekräfte keine Strategien entwickeln, um mit Ekel umzugehen, können sie schneller in einen Zustand der emotionalen Erschöpfung geraten.
  • Verminderte Empathie: Langfristig kann ungeklärter Ekel dazu führen, dass Pflegekräfte eine Distanz zu den Pflegebedürftigen aufbauen, um sich selbst zu schützen. Dies kann die zwischenmenschliche Beziehung und die Pflegequalität beeinträchtigen.

👉 Auswirkungen auf die Pflegequalität

 

  • Vermeidung von Aufgaben: Pflegekräfte könnten dazu neigen, ekelerregende Aufgaben zu umgehen, was die Versorgung der Pflegebedürftigen beeinträchtigen kann.
  • Unprofessionelles Verhalten: In extremen Fällen kann der Umgang mit Ekel zu einem Mangel an Sensibilität oder sogar zu unbewussten abwertenden Handlungen gegenüber den Pflegebedürftigen führen.
  • Gestörte Beziehung zum Pflegebedürftigen: Pflegebedürftige spüren oft, wenn sich Pflegekräfte unwohl oder abgestoßen fühlen. Dies kann bei ihnen Scham oder Schuldgefühle hervorrufen und das Vertrauen in die Pflegekraft beeinträchtigen.

 

Strategien zum Umgang mit Ekel

Der Umgang mit Ekel erfordert eine bewusste Auseinandersetzung, Selbstreflexion und den Einsatz konkreter Techniken. Pflegekräfte können lernen, dieses Gefühl zu kontrollieren und in den beruflichen Alltag zu integrieren, ohne dass es ihre Professionalität oder ihr Wohlbefinden beeinträchtigt.

 

👉 Selbstreflexion und Akzeptanz

Der erste Schritt im Umgang mit Ekel ist die Akzeptanz, dass dieses Gefühl normal ist und kein Zeichen von Schwäche. Es hilft, die eigenen Ekelgrenzen zu kennen und zu verstehen, welche Situationen besonders belastend sind. Pflegekräfte sollten sich fragen:

 

  • Welche Situationen lösen bei mir Ekel aus?
  • Warum empfinde ich so, und welche Gedanken verstärken das Gefühl?
  • Gibt es Techniken oder Maßnahmen, die mir in der Vergangenheit geholfen haben?

👉 Schutzmaßnahmen

Praktische Schutzmaßnahmen können den direkten Kontakt mit ekelerregenden Substanzen reduzieren und das Gefühl von Sicherheit erhöhen:

  • Persönliche Schutzausrüstung: Das Tragen von Handschuhen, Schutzkitteln und in besonders unangenehmen Situationen von Mundschutz oder Gesichtsschilden kann helfen, eine Barriere zu schaffen.
  • Geruchsabwehr: Produkte wie Menthol- oder Eukalyptuscreme, die unter die Nase aufgetragen werden, können unangenehme Gerüche überdecken und die Wahrnehmung mildern.
  • Routinen entwickeln: Eine strukturierte und routinierte Arbeitsweise in ekelerregenden Situationen kann das Gefühl von Kontrolle erhöhen und den Ekel verringern.

 

👉 Mentale Techniken

 

  • Fokussierung: Konzentrieren Sie sich bewusst auf die technischen Abläufe der Aufgabe, anstatt auf die Sinneseindrücke. Dies lenkt die Aufmerksamkeit vom Ekel ab.
  • Atmung: Atmen Sie durch den Mund, wenn Gerüche besonders unangenehm sind, oder wenden Sie Atemtechniken an, um sich zu beruhigen.
  • Positives Mindset: Erinnern Sie sich daran, dass Ihre Arbeit wichtig ist und Sie den Pflegebedürftigen durch Ihre Hilfe ein besseres Leben ermöglichen.

 

👉 Kollegiale Unterstützung und Austausch

Das Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen über belastende Situationen kann helfen, Ekelgefühle zu relativieren und neue Strategien zu entwickeln. Pflegekräfte sollten sich nicht scheuen, ihre Erfahrungen offen zu teilen, da dies auch das Gemeinschaftsgefühl stärkt.

 

👉 Weiterbildung und professionelle Supervision

  • Schulungen: Fortbildungen zum Thema Umgang mit belastenden Gefühlen können Pflegekräfte für ihre eigenen Grenzen sensibilisieren und konkrete Werkzeuge an die Hand geben.
  • Supervision: Der regelmäßige Austausch mit einer Fachkraft, die auf emotionale Belastungen in der Pflege spezialisiert ist, kann helfen, Ekelgefühle zu verarbeiten und langfristig zu bewältigen.

 

👉 Pflegebedürftige mit Respekt behandeln

Auch in schwierigen Situationen ist es wichtig, den Pflegebedürftigen mit Würde und Respekt zu begegnen. Zeigen Sie keine sichtbaren Zeichen von Abneigung, da dies das Vertrauen und die Beziehung belasten könnte.

 

Fazit

Ekel ist ein unausweichlicher Bestandteil der Pflege, aber er muss nicht zur Belastung werden. Durch Selbstreflexion, praktische Schutzmaßnahmen und mentale Techniken können Pflegekräfte lernen, mit Ekel umzugehen, ohne ihre Professionalität oder ihre Gesundheit zu gefährden. Entscheidend ist, sich selbst und das eigene Unbehagen ernst zu nehmen, offen darüber zu sprechen und Unterstützung zu suchen. Letztlich trägt ein bewusster Umgang mit Ekel nicht nur zur eigenen Entlastung bei, sondern auch zu einer respektvollen, würdevollen und qualitativ hochwertigen Pflege.

Die Rolle der Professionalität im Umgang mit Scham und Ekel

Ein professioneller Umgang mit Scham und Ekel ist ein zentrales Element der Pflegearbeit und verlangt von Pflegekräften ein hohes Maß an Selbstbewusstsein, Empathie und fachlicher Kompetenz. Diese Fähigkeiten sind nicht nur notwendig, um die Würde der Pflegebedürftigen zu wahren, sondern auch, um die eigene emotionale Belastung zu minimieren und langfristig gesund im Beruf zu bleiben.

 

👉 Selbstbewusstsein stärken

Pflegekräfte, die sich ihrer eigenen Emotionen und Grenzen bewusst sind, können schwierige Situationen besser bewältigen. Das bedeutet:

 

  • Selbstwahrnehmung: Erkennen, in welchen Situationen Scham oder Ekel auftreten, und diese Emotionen akzeptieren, anstatt sie zu unterdrücken.
  • Selbstmanagement: Entwickeln von Strategien, um mit diesen Gefühlen umzugehen, ohne die eigene Professionalität oder die Qualität der Pflege zu beeinträchtigen.
  • Selbstfürsorge: Regelmäßige Pausen, ein gesunder Umgang mit Stress und die Förderung der eigenen Resilienz sind entscheidend, um langfristig leistungsfähig und ausgeglichen zu bleiben.

 

 

👉 Empathie als Schlüsselkompetenz

Empathie ist die Fähigkeit, sich in die Perspektive und Gefühle einer anderen Person hineinzuversetzen, ohne diese zu bewerten. Im Umgang mit Scham und Ekel bedeutet dies, sowohl die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen zu erkennen als auch die eigenen Gefühle zu reflektieren. Pflegekräfte sollten:

 

  • Verständnis zeigen: Signalisieren, dass Scham- oder Ekelgefühle normal und menschlich sind.
  • Nicht bewerten: Keine abwertenden Bemerkungen oder nonverbale Signale zeigen, die das Gefühl von Scham oder Würdeverlust verstärken könnten.
  • Einfühlend kommunizieren: Mit ruhigen, respektvollen Worten erklären, welche Schritte durchgeführt werden, und den Pflegebedürftigen die Möglichkeit geben, soweit wie möglich aktiv mitzuhelfen.

 

👉 Kontinuierliche Weiterbildung

Der Umgang mit Scham und Ekel kann durch gezielte Schulungen und Fortbildungen deutlich erleichtert werden. Diese sollten nicht nur theoretisches Wissen vermitteln, sondern auch praktische Techniken und mentale Strategien. Beispiele für relevante Themen in der Weiterbildung:

 

  • Wahrung der Intimsphäre und Würde in der Pflege.
  • Kommunikation in schwierigen Situationen.
  • Umgang mit emotionaler Belastung und Stressmanagement.
  • Techniken zur Desensibilisierung bei häufig auftretenden Ekelreizen.

 

👉 Offener Austausch im Team

Ein weiterer wichtiger Baustein der Professionalität ist der kollegiale Austausch. Pflegekräfte sollten ermutigt werden, ihre Erfahrungen, Ängste und Herausforderungen mit dem Team zu teilen. Ein unterstützendes Arbeitsumfeld, in dem offen über belastende Gefühle gesprochen werden kann, stärkt nicht nur das Gemeinschaftsgefühl, sondern führt auch zu einem besseren Umgang mit schwierigen Situationen. Teamgespräche oder Fallbesprechungen können genutzt werden, um:

 

  • Gemeinsame Lösungsstrategien zu entwickeln: Welche Maßnahmen helfen, um Scham und Ekel zu minimieren?
  • Erfahrungen zu teilen: Der Austausch über erfolgreiche Bewältigungsstrategien kann anderen helfen, ihre eigenen Herausforderungen besser zu meistern.
  • Entlastung zu schaffen: Allein das Wissen, dass andere ähnliche Gefühle empfinden, kann für Pflegekräfte eine große Erleichterung sein.

Fazit: Scham und Ekel im Pflegealltag

Scham und Ekel gehören zum Pflegealltag dazu – sie sind natürliche und unvermeidbare Emotionen, die sowohl Pflegebedürftige als auch Pflegekräfte betreffen. Entscheidend ist jedoch, wie mit diesen Gefühlen umgegangen wird. Ein bewusster, respektvoller und professioneller Umgang mit Scham und Ekel ist unerlässlich, um die Würde der Pflegebedürftigen zu wahren und gleichzeitig die psychische Gesundheit der Pflegekräfte zu schützen.

 

👉 Für Pflegebedürftige:

Ein empathischer und einfühlsamer Umgang hilft, das Schamgefühl zu minimieren und eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Maßnahmen wie die Wahrung der Intimsphäre, offene Kommunikation und die Förderung von Selbstständigkeit tragen dazu bei, den Pflegeprozess würdevoll zu gestalten.

 

👉 Für Pflegekräfte:

Die professionelle Bewältigung von Ekel erfordert Selbstreflexion, den Einsatz von Schutzmaßnahmen und die Entwicklung mentaler Techniken. Auch die eigene Selbstfürsorge und der offene Austausch im Team sind wichtige Faktoren, um emotionale Belastungen zu reduzieren.

 

👉Für das Team und die Organisation:

Eine unterstützende Arbeitsumgebung, in der offen über schwierige Themen wie Scham und Ekel gesprochen werden kann, fördert nicht nur das Wohlbefinden der Pflegekräfte, sondern auch die Qualität der Pflege. Regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen bieten eine wertvolle Grundlage, um langfristig professionell und menschlich in der Pflege tätig zu sein.

Weiterführende Ressourcen und Literatur

Um noch tiefer in das Thema einzutauchen, empfehlen wir folgende Materialien und Anlaufstellen:

 

ℹ️ Ratgeber: „Scham – Praxistipps für den Pflegealltag“ des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). Dieser Leitfaden bietet praktische Tipps und Handlungsempfehlungen für Pflegekräfte.

 

ℹ️ Literatur: Fachbücher wie „Professioneller Umgang mit Ekel in der Pflege“ von Gabriele Röcker oder „Emotionale Herausforderungen im Pflegealltag“ von Barbara Messer.

 

ℹ️ Fortbildungen und Workshops: Viele Pflegeeinrichtungen bieten spezifische Seminare zum Umgang mit belastenden Emotionen an.

 

ℹ️ Supervision: Der Austausch mit spezialisierten Supervisoren hilft Pflegekräften, ihre Gefühle zu reflektieren und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

 

❗Mit der richtigen Unterstützung und den passenden Strategien können Scham und Ekel nicht nur bewältigt, sondern auch als Teil des Pflegealltags akzeptiert werden. Dies ermöglicht eine Pflege, die von Respekt, Menschlichkeit und Professionalität geprägt ist – sowohl für die Pflegebedürftigen als auch für die Pflegekräfte.

 

Pflege ist wichtig - und du bist es auch!