Gewalt in der Pflege: Ursachen, Formen und Strategien zur Prävention

Veröffentlicht am 21. März 2025 um 20:00

Gewalt in der Pflege ist ein Thema, das viele betrifft, aber häufig nicht offen angesprochen wird. Es betrifft Pflegekräfte, pflegende Angehörige und auch Pflegebedürftige gleichermaßen. Dabei kann Gewalt in der Pflege in unterschiedlichen Formen auftreten – sei es körperlich, verbal, psychisch oder sogar strukturell. Besonders belastend ist, dass Gewalt in beide Richtungen wirken kann: Pflegekräfte werden von Patient:innen oder Angehörigen angegriffen, pflegende Angehörige erfahren Übergriffe von Pflegebedürftigen, oder Pflegebedürftige selbst sind Opfer von gewaltsamem Verhalten durch Überforderung, Unachtsamkeit oder Stress.

Obwohl die Pflegeberufe und die häusliche Pflege von Empathie und Fürsorge geprägt sein sollten, zeigt die Realität ein anderes Bild: Die Pflegearbeit findet oft unter enormem Druck und in schwierigen Bedingungen statt, sei es durch Personalmangel, Zeitdruck oder fehlende Unterstützung für pflegende Angehörige. Dieser Stress ist häufig eine Ursache für Konflikte, die eskalieren können.

Statistiken zeigen, wie weit verbreitet das Problem ist: Laut einer Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP, 2018) gaben 40 % der pflegenden Angehörigen an, bereits gewaltsam gegenüber den ihnen Anvertrauten gehandelt zu haben. Dabei reicht das Spektrum von psychischer Gewalt (32 %) wie Anschreien oder Drohungen, über körperliche Gewalt (12 %) bis hin zur Vernachlässigung (11 %). Freiheitsentziehende Maßnahmen wie das Festschnallen oder Einschließen wurden von 6 % der Befragten angewendet.

Doch auch Pflegekräfte selbst sind häufig von Gewalt betroffen. Eine Umfrage des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK, 2020) ergab, dass fast 60 % der Pflegekräfte in stationären Einrichtungen in den letzten zwölf Monaten Gewalt erlebt haben – und das sowohl von Pflegebedürftigen als auch von Angehörigen. Besonders in Bereichen wie der Altenpflege, in denen psychische Erkrankungen wie Demenz eine große Rolle spielen, sind Pflegekräfte einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Gewalt in der Pflege ist somit kein Randproblem, sondern ein weit verbreitetes Phänomen, das oft als „normaler Teil“ des Pflegealltags hingenommen wird. Doch diese Normalisierung ist gefährlich, denn sie führt dazu, dass Betroffene schweigen und Gewalt weiterhin unerkannt bleibt. Um den Pflegealltag sicherer und menschenwürdiger zu gestalten, ist es daher notwendig, über die Ursachen, Auswirkungen und Präventionsmöglichkeiten offen zu sprechen. Ein Verständnis für die Dynamiken und die Hintergründe der Gewalt kann helfen, sie zu reduzieren – sowohl für die Sicherheit der Pflegebedürftigen als auch der Pflegekräfte und Angehörigen.

Formen der Gewalt in der Pflege

Gewalt in der Pflege zeigt sich in vielfältigen Ausprägungen, die sowohl aktiv und bewusst als auch passiv und unbewusst ausgeübt werden können. Sie reicht von offensichtlichen körperlichen Übergriffen bis hin zu subtileren Formen wie psychischer Manipulation oder Vernachlässigung. Dabei betrifft Gewalt sowohl Pflegekräfte, pflegende Angehörige als auch die Pflegebedürftigen selbst. Hier ein detaillierter Überblick über die verschiedenen Formen:

 

👉 Körperliche Gewalt

Körperliche Gewalt umfasst alle Handlungen, die den Körper einer Person direkt schädigen oder verletzen. Im Kontext der Pflege kann dies beispielsweise sein:

 

  • Schlagen, Stoßen oder Schubsen: Pflegekräfte berichten häufig, dass sie von Patient:innen geschlagen oder gestoßen werden, besonders in Situationen, in denen die Pflegebedürftigen Schmerzen empfinden oder sich missverstanden fühlen.
  • Kratzen oder Beißen: Dies tritt besonders bei Menschen mit Demenz auf, die oft impulsiv reagieren und ihre Handlungen nicht mehr kontrollieren können.
  • Festschnallen oder Fixieren: Freiheitsentziehende Maßnahmen wie das Anbinden an ein Bett oder einen Rollstuhl, um Bewegungen zu verhindern, gelten ebenfalls als Form der körperlichen Gewalt, auch wenn sie vermeintlich „zum Schutz“ der Pflegebedürftigen angewendet werden.

 

✅ Folgen: Körperliche Gewalt hinterlässt nicht nur sichtbare Verletzungen, sondern kann auch tiefe seelische Narben hinterlassen, vor allem bei Pflegebedürftigen, die sich in einer ohnehin hilflosen Lage befinden.

 

👉 Verbale Gewalt

Verbale Gewalt ist weit verbreitet, wird jedoch oft als weniger gravierend wahrgenommen. Dennoch kann sie für Betroffene äußerst belastend sein. Beispiele sind:

 

  • Beleidigungen: Herabwürdigende oder respektlose Bemerkungen, wie etwa „Du bist zu nichts mehr fähig“.
  • Anschreien: Lautes Sprechen oder Schreien in angespannten Situationen kann Pflegebedürftige verängstigen oder einschüchtern.
  • Drohungen: Drohungen, etwa Pflegekräfte oder Angehörige verbal unter Druck zu setzen, führen oft zu einem Klima der Angst.
  • Herablassende Kommunikation: Manche Pflegekräfte oder Angehörige sprechen mit Pflegebedürftigen wie mit kleinen Kindern, was deren Würde verletzt.

 

✅ Folgen: Verbale Gewalt kann das Selbstwertgefühl der Betroffenen zerstören, Angstzustände auslösen und die Beziehung zwischen Pflegebedürftigen und Pflegekräften dauerhaft beeinträchtigen.

 

👉 Psychische Gewalt

Psychische Gewalt ist oft subtiler, aber nicht weniger schädlich. Sie umfasst Handlungen, die emotionalen Schmerz oder Leid verursachen, darunter:

 

  • Ignorieren oder Vernachlässigen: Pflegebedürftige können durch mangelnde Zuwendung oder Aufmerksamkeit isoliert werden. Beispiele sind, wenn Anfragen oder Bedürfnisse absichtlich ignoriert werden.
  • Emotionale Manipulation: Angehörige oder Pflegekräfte üben manchmal Druck aus, indem sie Schuldgefühle erzeugen oder Pflegebedürftige emotional erpressen.
  • Demütigung: Pflegebedürftige werden lächerlich gemacht oder in ihrer Hilfsbedürftigkeit beschämt. Auch die Missachtung von Privatsphäre, etwa bei der Körperpflege, fällt in diese Kategorie.

 

✅ Folgen: Psychische Gewalt kann langfristige Schäden anrichten, etwa Depressionen, Angstzustände oder einen völligen Rückzug der Pflegebedürftigen aus sozialen Kontakten.

 

👉 Sexuelle Gewalt

Sexuelle Gewalt ist ein besonders schwerwiegendes Thema in der Pflege, das aufgrund seines Tabucharakters oft nicht thematisiert wird. Darunter fallen:

 

  • Unerwünschte Berührungen: Dies kann während der Pflege oder beim Umkleiden passieren.
  • Anzügliche Bemerkungen: Pflegebedürftige, aber auch Pflegekräfte berichten von verbalen Übergriffen durch die jeweils andere Seite.
  • Sexuelle Übergriffe: In besonders schweren Fällen kommt es zu explizit sexuellen Handlungen ohne Zustimmung.

 

ℹ️ Besonderheiten: Pflegebedürftige, die sich in einer körperlichen oder psychischen Abhängigkeit befinden, sind besonders vulnerabel. Sexualisierte Gewalt richtet sich jedoch auch häufig gegen Pflegekräfte, insbesondere in der Altenpflege, wo Patient:innen mit Demenzerkrankungen soziale Grenzen nicht mehr erkennen.

 

✅ Folgen: Sexuelle Gewalt kann nicht nur zu körperlichen Verletzungen führen, sondern hinterlässt oft tiefgreifende psychische Traumata.

 

👉 Vernachlässigung

Vernachlässigung ist eine häufig übersehene Form der Gewalt, die sowohl durch Überforderung als auch durch bewusste Unterlassung entstehen kann. Beispiele sind:

 

  • Unzureichende Versorgung: Pflegekräfte oder Angehörige kümmern sich nicht ausreichend um die Körperpflege, Ernährung oder medizinische Versorgung der Betroffenen.
  • Nichtbeachtung von Bedürfnissen: Soziale Isolation, z. B. durch das Ignorieren des Wunsches nach Kontakt oder Unterhaltung, ist eine häufige Form der Vernachlässigung.
  • Unterlassung lebensnotwendiger Maßnahmen: Beispielsweise das Verwehren von Medikamenten oder fehlende Unterstützung bei der Mobilität, was zu einem erhöhten Risiko von Dekubitus oder Stürzen führen kann.

 

✅ Folgen: Vernachlässigung hat gravierende gesundheitliche und psychische Konsequenzen, von körperlichen Schäden wie Mangelernährung bis hin zu einem Gefühl der Wertlosigkeit und Einsamkeit.

 

Aktiv und passiv: Die Dynamik der Gewalt

Wichtig ist, dass Gewalt in der Pflege nicht immer bewusst geschieht. Aktive Gewalt tritt auf, wenn jemand bewusst eine gewaltsame Handlung ausführt, etwa das Schlagen oder Demütigen. Passive Gewalt hingegen entsteht häufig durch Unwissenheit oder Überforderung, z. B. wenn ein Pflegebedürftiger nicht ausreichend versorgt wird, weil die pflegende Person überlastet ist.

Beide Formen sind gleichermaßen problematisch und müssen ernst genommen werden, da sie die Lebensqualität und die Würde der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

 

Fazit

Gewalt in der Pflege ist ein vielschichtiges Problem, das alle Beteiligten – Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegekräfte – betreffen kann. Jede Form von Gewalt hinterlässt Spuren, sei es körperlich oder seelisch. Daher ist es wichtig, die verschiedenen Erscheinungsformen zu verstehen, um frühzeitig handeln und vorbeugen zu können. Nur so können wir die Pflege menschenwürdig und sicher gestalten.

 

Ursachen für Gewalt in der Pflege: Ein komplexes Zusammenspiel von Belastungen und Emotionen

Gewalt in der Pflege ist häufig das Resultat eines komplexen Zusammenspiels von Überforderung, emotionalem Stress und unzureichender Unterstützung. Sie kann von Pflegebedürftigen, Pflegekräften oder pflegenden Angehörigen ausgehen, da alle Beteiligten in der Pflegesituation auf unterschiedliche Weise belastet sind. Ein tieferes Verständnis der Ursachen ist essenziell, um gezielt präventive Maßnahmen zu entwickeln.

 

👉 Ursachen bei Pflegebedürftigen

 

Psychische Erkrankungen und kognitive Einschränkungen

Pflegebedürftige mit psychischen Erkrankungen, insbesondere Demenzerkrankungen, neigen oft zu impulsivem oder aggressivem Verhalten.

Sie können ihre Umgebung nicht mehr vollständig wahrnehmen oder interpretieren, was zu Verwirrung und Angst führt. Dieses Gefühl der Unsicherheit kann sich in Form von Wutausbrüchen, Schreien, Schlagen oder Abwehrhandlungen äußern.

Ein weiterer Faktor ist der Verlust der Impulskontrolle, der bei neurologischen Erkrankungen häufig auftritt. Dies führt dazu, dass Emotionen ungefiltert ausgedrückt werden, unabhängig von ihrer Angemessenheit.

✅ Schmerzen und Frustration

Chronische Schmerzen, körperliche Einschränkungen oder der Verlust von Fähigkeiten wie Gehen, Sprechen oder Essen können zu Frustration und Gereiztheit führen.

Pflegebedürftige, die ihren Körper nicht mehr kontrollieren können, empfinden oft Scham und Wut, die sie auf ihre Pflegekräfte oder Angehörigen projizieren.

Sie fühlen sich ihrer Situation ausgeliefert, was das Vertrauen in die Pflege erschwert und aggressive Reaktionen auslösen kann.

✅ Verlust der Selbstbestimmung

Pflegebedürftige erleben oft einen Verlust an Autonomie und Privatsphäre, wenn sie auf andere angewiesen sind.

Besonders belastend ist es, wenn Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen werden, z. B. bei der Körperpflege oder beim Umgang mit Medikamenten.

Dieses Gefühl der Entmündigung kann zu Trotz, Rückzug oder sogar zu offener Aggression führen, da sie versuchen, die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen.

 

👉 Ursachen bei Pflegekräften

 

✅ Stress und Überforderung

Pflegekräfte arbeiten häufig unter extremem Zeitdruck und müssen viele Aufgaben parallel erledigen, was sie an ihre Belastungsgrenzen bringt.

Der Personalmangel in Pflegeeinrichtungen führt dazu, dass Pflegekräfte oft mehr Patient:innen betreuen müssen, als es fachlich vertretbar wäre. Dadurch bleibt weniger Zeit für die individuelle Betreuung, was Konflikte begünstigen kann.

Die ständige Konfrontation mit Leid, Krankheit und Sterben ist emotional belastend und wird durch fehlende Pausen oder Unterstützung verstärkt.

 

Fehlende Schulungen und Kompetenzen

Viele Pflegekräfte sind nicht ausreichend geschult, um mit herausforderndem Verhalten, etwa von Menschen mit Demenz, angemessen umzugehen.

Sie fühlen sich in Konfliktsituationen überfordert, was die Gefahr von impulsivem oder unangemessenem Verhalten erhöht.

Oft fehlen auch Kenntnisse über Deeskalationstechniken oder den Umgang mit Aggressionen, sodass Konflikte schneller eskalieren können.

Emotionale Erschöpfung (Burnout)

Der Dauerstress in der Pflege und die hohe emotionale Belastung führen bei vielen Pflegekräften zu Burnout.

Diese emotionale Erschöpfung macht es schwer, geduldig oder einfühlsam zu bleiben, was das Risiko für Fehlverhalten oder Aggressionen erhöht.

Besonders belastend ist es, wenn Pflegekräfte keine Anerkennung für ihre Arbeit erhalten oder das Gefühl haben, ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

 

👉 Ursachen bei pflegenden Angehörigen

 

✅ Überforderung und fehlende Unterstützung

Die Pflege eines Angehörigen ist körperlich und emotional sehr anspruchsvoll, vor allem wenn keine professionelle Unterstützung vorhanden ist.

Pflegende Angehörige übernehmen oft rund um die Uhr Verantwortung und können sich kaum erholen. Diese Dauerbelastung führt zu Stress und Frustration, die sich in aggressivem Verhalten entladen können.

Viele fühlen sich mit der Pflege allein gelassen und wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen, wenn sie an ihre Grenzen stoßen.

✅ Unwissenheit und mangelnde Erfahrung

Viele Angehörige sind nicht auf die Pflege vorbereitet und verfügen nicht über das nötige Fachwissen, um mit schwierigen Situationen umzugehen.

Fehlende Kenntnisse über den Umgang mit psychischen Erkrankungen wie Demenz oder das richtige Heben und Lagern können dazu führen, dass sie in Konflikten unsachgemäß oder aggressiv reagieren.

Sie unterschätzen oft den emotionalen und körperlichen Aufwand, der mit der Pflege verbunden ist, was ihre Frustration zusätzlich verstärkt.

✅ Familienkonflikte und emotionale Spannungen

Alte Konflikte oder ungelöste Probleme innerhalb der Familie können in der Pflegesituation eskalieren.

Wenn Angehörige das Gefühl haben, die Pflege „allein tragen“ zu müssen, oder wenn Rollenverteilungen innerhalb der Familie unklar sind, entstehen Spannungen, die zu Aggressionen führen können.

Manche Angehörige fühlen sich durch die Pflege an frühere Verletzungen erinnert, etwa an schwierige Beziehungen zu den Eltern, was negative Emotionen hervorruft.

 

Das Zusammenspiel der Ursachen

Die Ursachen für Gewalt in der Pflege sind selten isoliert zu betrachten. Oft greifen mehrere Faktoren ineinander:

  • Eine überlastete Pflegekraft, die einen Pflegebedürftigen mit Demenz betreut, kann durch dessen impulsives Verhalten gereizt reagieren.
  • Ein pflegender Angehöriger, der wenig Unterstützung erhält, wird durch das aggressive Verhalten des Pflegebedürftigen emotional überfordert.
  • Pflegebedürftige, die Schmerzen haben und sich in ihrer Situation entmündigt fühlen, reagieren mit Trotz oder sogar körperlicher Gewalt auf die Bemühungen ihrer Pflegekräfte.

Die Ursachen für Gewalt in der Pflege sind vielfältig und oft tief in den individuellen Belastungen der Beteiligten verwurzelt. Ob physische Überforderung, emotionale Spannungen oder unzureichende Unterstützung – alle diese Faktoren tragen dazu bei, dass Konflikte entstehen und eskalieren können. Ein Verständnis für diese Dynamiken ist entscheidend, um Gewalt frühzeitig zu erkennen und gezielte Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Nur durch einen bewussten Umgang mit den Belastungen in der Pflege können Konflikte reduziert und ein respektvolles Miteinander gefördert werden.

Prävention von Gewalt in der Pflege: Maßnahmen für ein sichereres und respektvolleres Umfeld

Die Prävention von Gewalt in der Pflege erfordert ein ganzheitliches Vorgehen, das die Bedürfnisse aller Beteiligten – Pflegekräfte, pflegende Angehörige und Pflegebedürftige – berücksichtigt. Gewalt kann oft durch präventive Maßnahmen verhindert werden, die sowohl auf individueller als auch institutioneller Ebene ansetzen. Hier eine ausführliche Darstellung der wichtigsten Präventionsstrategien:

 

👉 Sensibilisierung und Schulung

Die Schulung und Sensibilisierung von Pflegekräften und Angehörigen ist eine der zentralen Maßnahmen, um Gewalt in der Pflege vorzubeugen. Wissen und Kompetenz im Umgang mit herausfordernden Situationen reduzieren Unsicherheiten und fördern ein respektvolles Miteinander.

Schulungen sollten praxisorientiert sein und folgende Inhalte umfassen:

  • Deeskalationstechniken: Pflegekräfte und Angehörige lernen, wie sie Konflikte entschärfen können, bevor sie eskalieren. Dies umfasst Techniken wie ruhiges Sprechen, den bewussten Einsatz von Körpersprache und das Vermeiden von Konfrontationen.
  • Kommunikationstraining: Einfühlsame und wertschätzende Kommunikation ist essenziell, um Missverständnisse zu vermeiden und Vertrauen aufzubauen.
  • Umgang mit psychischen Erkrankungen: Insbesondere in der Altenpflege ist das Verständnis für Erkrankungen wie Demenz oder Depression entscheidend. Wissen über typische Verhaltensweisen und deren Hintergründe hilft, aggressives Verhalten besser einzuordnen und darauf angemessen zu reagieren.
  • Selbstreflexion: Pflegekräfte und Angehörige sollten ihre eigenen Emotionen und Grenzen erkennen, um nicht impulsiv oder gereizt zu reagieren.
  • Regelmäßige Auffrischungen: Schulungen sollten nicht einmalig stattfinden, sondern regelmäßig angeboten werden, um neue Erkenntnisse und Techniken zu vermitteln.


ℹ️ Nutzen: Gut geschulte Pflegekräfte und Angehörige fühlen sich sicherer und kompetenter im Umgang mit schwierigen Situationen. Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit von Eskalationen und schafft ein respektvolleres Umfeld.

 

👉 Unterstützung für pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige sind oft extrem belastet, da sie neben der Pflege häufig noch familiäre, berufliche und persönliche Verpflichtungen erfüllen müssen. Um Gewalt vorzubeugen, ist es wichtig, ihnen konkrete Unterstützung anzubieten:

Entlastungsangebote:

  • Tagespflege: Tagespflegeeinrichtungen bieten pflegebedürftigen Menschen tagsüber Betreuung, wodurch Angehörige Freiräume für andere Aufgaben oder Erholung erhalten.
  • Kurzzeitpflege: Diese Form der Pflege ermöglicht es Angehörigen, sich für einen begrenzten Zeitraum zu erholen, etwa während eines Urlaubs oder bei eigener Krankheit.
  • Ambulante Pflegedienste: Professionelle Pflegekräfte können bestimmte Aufgaben übernehmen, wie die Körperpflege oder die Medikamentengabe, um Angehörige zu entlasten.


Beratungsangebote:

  • Pflegestützpunkte und Beratungsstellen: Diese bieten Informationen zu Hilfsangeboten, rechtlichen Fragen und finanzieller Unterstützung.
  • Gesprächskreise und Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft Angehörigen, sich weniger allein zu fühlen und Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.

ℹ️ Nutzen: Entlastete Angehörige sind weniger gestresst und fühlen sich besser in der Lage, auf herausforderndes Verhalten ihrer pflegebedürftigen Angehörigen einzugehen. Dies reduziert das Risiko von Übergriffen oder Vernachlässigung.

 

👉 Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege

Pflegekräfte arbeiten oft unter schwierigen Bedingungen, die Gewalt und Konflikte begünstigen. Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist daher ein wesentlicher Schritt zur Gewaltprävention:

Ausreichende Personalausstattung:

Eine bessere Personalbesetzung reduziert den Zeitdruck und ermöglicht es den Pflegekräften, sich individueller um die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen zu kümmern.

Mehr Zeit für Gespräche und Zuwendung kann helfen, Spannungen abzubauen und Konflikte zu vermeiden.

Faire Entlohnung und Arbeitszeiten:

Eine angemessene Bezahlung und flexible Arbeitszeitmodelle tragen dazu bei, die Wertschätzung für Pflegekräfte zu zeigen und Burnout vorzubeugen.

Regelmäßige Pausen und ein planbarer Dienstplan geben Pflegekräften die Möglichkeit, sich zu erholen und mit mehr Energie in die Arbeit zu gehen.

Supervision und psychologische Unterstützung:

Pflegekräfte sollten Zugang zu Supervision oder psychologischer Beratung haben, um belastende Erlebnisse zu verarbeiten und ihre eigenen Grenzen besser zu erkennen.

 

ℹ️ Nutzen: Bessere Arbeitsbedingungen schaffen ein positives Arbeitsklima, das nicht nur die Zufriedenheit der Pflegekräfte steigert, sondern auch die Qualität der Pflege verbessert.

 

👉 Förderung der Kommunikation

Eine offene und wertschätzende Kommunikation ist entscheidend, um Missverständnisse und Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu lösen:

✅ Zwischen Pflegekräften und Angehörigen:

  • Regelmäßige Gespräche über die Pflegebedürfnisse, Wünsche und Sorgen der Patient:innen fördern das gegenseitige Verständnis.
  • Klare Absprachen über die Pflegeaufgaben verhindern, dass sich Angehörige oder Pflegekräfte unfair belastet fühlen.


✅ Mit den Pflegebedürftigen:

  • Pflegekräfte und Angehörige sollten die Pflegebedürftigen so weit wie möglich in Entscheidungen einbeziehen, um das Gefühl von Selbstbestimmung zu stärken.
  • Eine einfühlsame Kommunikation, bei der auf Ängste und Sorgen eingegangen wird, kann aggressive Reaktionen verhindern.


✅ Innerhalb des Teams:

  • Pflegeeinrichtungen sollten regelmäßige Teamgespräche und Fallbesprechungen ermöglichen, um Probleme offen anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

 

ℹ️ Nutzen: Eine gute Kommunikation fördert das Vertrauen zwischen allen Beteiligten und trägt dazu bei, ein harmonisches Pflegeumfeld zu schaffen.

 

👉 Rechtliche und institutionelle Maßnahmen

Pflegeeinrichtungen und Institutionen spielen eine zentrale Rolle bei der Prävention von Gewalt. Sie sollten klare Strukturen und Richtlinien schaffen, um Gewaltvorfälle zu verhindern und angemessen darauf zu reagieren:

✅ Richtlinien und Meldewege:

  • Jede Einrichtung sollte über ein transparentes Konzept zur Gewaltprävention verfügen, das klare Verhaltensregeln und Notfallmaßnahmen definiert.
  • Pflegekräfte und Angehörige sollten wissen, wie und wo sie Gewaltvorfälle melden können, ohne Angst vor Konsequenzen haben zu müssen.


✅ Schutzmechanismen:

  • Pflegeeinrichtungen sollten ihre Mitarbeitenden vor Übergriffen schützen, z. B. durch Sicherheitsvorkehrungen wie Alarmknöpfe oder Schulungen im Selbstschutz.
  • Pflegebedürftige, die von Gewalt betroffen sind, müssen Zugang zu Beratung und Unterstützung erhalten, etwa durch Sozialarbeiter:innen oder Psycholog:innen.

✅ Regelmäßige Kontrollen:

  • Unangekündigte Kontrollen durch externe Prüfstellen, wie den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK), helfen, Missstände aufzudecken und zu beheben.

 

ℹ️ Nutzen: Rechtliche und institutionelle Maßnahmen sorgen für klare Rahmenbedingungen, in denen Gewalt keinen Platz hat. Sie geben Pflegekräften und Angehörigen Sicherheit und stärken das Vertrauen in die Pflegeeinrichtungen.

Gewalt in der Pflege erkennen, thematisieren und aktiv verhindern

Gewalt in der Pflege ist ein komplexes, vielschichtiges und oft tabubehaftetes Thema, das sich durch alle Bereiche der Pflege zieht – von der häuslichen Pflege durch Angehörige bis hin zur professionellen Versorgung in Einrichtungen. Die Problematik betrifft nicht nur die Pflegebedürftigen, sondern ebenso die Pflegekräfte und pflegenden Angehörigen, die alle im Spannungsfeld von Überforderung, Stress und emotionaler Belastung stehen.

 

👉 Die Bedeutung des offenen Dialogs

Ein erster Schritt, um Gewalt in der Pflege zu bekämpfen, ist die Thematisierung. Gewalt darf kein Tabuthema sein. Es ist entscheidend, über belastende Situationen offen zu sprechen, Ursachen zu beleuchten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Nur durch ein erhöhtes Bewusstsein kann Gewalt frühzeitig erkannt und verhindert werden. Der offene Austausch über Probleme – sei es zwischen Pflegekräften, Angehörigen oder innerhalb von Pflegeeinrichtungen – ist ein wesentlicher Bestandteil der Prävention.

 

👉 Langfristige Prävention durch gezielte Maßnahmen

Um Gewalt in der Pflege nachhaltig zu reduzieren, sind umfangreiche und aufeinander abgestimmte Maßnahmen notwendig:

 

  • Sensibilisierung und Schulung: Regelmäßige Fortbildungen für Pflegekräfte und Angehörige schaffen ein besseres Verständnis für herausfordernde Situationen und vermitteln wichtige Deeskalationstechniken.
  • Unterstützung für pflegende Angehörige: Beratungsstellen, Entlastungsangebote wie Tagespflege oder Kurzzeitpflege sowie Selbsthilfegruppen helfen, Überforderung zu reduzieren.
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen: Eine ausreichende Personalbesetzung, faire Entlohnung und psychologische Unterstützung sind unerlässlich, um die Belastungen für Pflegekräfte zu mindern.
  • Förderung der Kommunikation: Ein respektvoller Umgang und eine offene Konfliktkultur tragen dazu bei, Spannungen frühzeitig zu erkennen und abzubauen.
  • Institutionelle Schutzmaßnahmen: Klare Meldewege, Präventionsrichtlinien und regelmäßige Kontrollen stärken das Sicherheitsgefühl und schaffen Vertrauen.

 

👉 Unterstützungs- und Beratungsstellen

Es gibt in Deutschland eine Vielzahl von Beratungsangeboten, die sich sowohl an Pflegekräfte als auch an pflegende Angehörige und Pflegebedürftige wenden. Diese Einrichtungen bieten Unterstützung bei Konflikten, Überlastung und Gewaltvorfällen:

 

✅ Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP):

Das ZQP bietet umfangreiche Informationen, Ratgeber und Online-Hilfsmittel zu den Themen Gewaltprävention und Pflegequalität.

Über die Website des ZQP (www.zqp.de) können sich Pflegekräfte und Angehörige zu konkreten Präventionsmaßnahmen informieren.

 

✅ Pflegestützpunkte:

Diese regionalen Beratungsstellen bieten kostenlose und neutrale Beratung rund um die Pflege. Sie helfen bei der Organisation von Entlastungsangeboten und informieren über finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten.

 

✅ Telefonische Beratung:

Pflegeberatung der Krankenkassen: Die gesetzlichen Krankenkassen bieten individuelle Beratung zu Fragen der Pflege und Prävention.

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: Dieses Angebot steht auch pflegenden Frauen zur Verfügung, die Gewalt erleben. Es ist rund um die Uhr unter der Nummer 08000 116 016 erreichbar.

 

✅ Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise:

Organisationen wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft oder der Deutsche Caritasverband bieten regelmäßig Austauschmöglichkeiten für pflegende Angehörige, die über ihre Erfahrungen sprechen und Unterstützung erhalten möchten.

 

✅ Berufsverbände und Gewerkschaften:

Pflegekräfte können sich an Berufsverbände wie den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) wenden, um Unterstützung bei arbeitsrechtlichen oder emotionalen Belastungen zu erhalten.

 

✅ Sozialdienste und psychosoziale Beratungsstellen:

Viele Kommunen bieten psychosoziale Beratung für Menschen an, die in der Pflege tätig sind oder mit einer Pflegeverantwortung überfordert sind.

 

👉 Ein menschenwürdiges Pflegeumfeld schaffen

Gewalt in der Pflege zu verhindern ist keine Aufgabe, die Einzelpersonen alleine bewältigen können. Sie erfordert ein gesamtgesellschaftliches Engagement, bei dem Politik, Pflegeeinrichtungen und Angehörige gleichermaßen Verantwortung übernehmen. Nur durch eine Kombination aus präventiven Maßnahmen, rechtlichen Rahmenbedingungen und der Förderung von gegenseitigem Respekt kann eine Pflegekultur geschaffen werden, die allen Beteiligten ein sicheres und menschenwürdiges Umfeld bietet.

 

❗Aufruf zur Achtsamkeit❗

Letztendlich liegt es in der Hand jedes Einzelnen, achtsam zu sein – gegenüber sich selbst, den Pflegebedürftigen und den Mitmenschen. Gewalt in der Pflege zu verhindern bedeutet, hinzuschauen, zu helfen und füreinander einzustehen. Pflege ist mehr als eine Aufgabe: Sie ist eine Verantwortung, die ein Klima des Vertrauens und der Menschlichkeit erfordert.

Pflege ist wichtig - und du bist es auch!